Malia ist sechs. Seit Monaten isst sie im Grunde drei Dinge: Reis, Gurke und ein bestimmtes Brot vom Bäcker um die Ecke. Ihre Großeltern sagen bei jedem Besuch, sie solle doch mal etwas anderes probieren. Jedes Mal zieht Malia sich ein Stück weiter zurück und isst am Ende gar nichts mehr.
Als ihre Eltern beschließen, das Thema eine Weile ruhen zu lassen, passiert etwas Unerwartetes. Nach einigen Wochen nimmt Malia sich von selbst ein paar Möhrenstifte vom Tisch. Kein Überreden hat das bewirkt, sondern Ruhe. Bei Kindern mit der Ernährungsfarbe Geschmack ist das ein bekanntes Muster.
Im Human Design beschreiben sechs Ernährungsfarben, worauf der Körper eines Kindes beim Essen achtet: Appetit, Geschmack, Durst, Berührung, Klang und Licht. Sie sind Wahrnehmungsprinzipien, keine Geschmacksrichtungen und keine Diät. Einen Überblick über alle Farben gibt der Beitrag zu den sechs Ernährungsfarben.
Das Grundprinzip der Farbe Geschmack ist Stimmigkeit. Der Körper prüft mit einem klaren Ja oder Nein, ob eine Nahrung zu ihm passt. Dieses Signal ist deutlich und lässt sich schwer verhandeln. Ein Kind mit dieser Farbe weiß oft sehr genau, was es essen möchte und was nicht.
Diese Selektivität ist keine Wählerischkeit und keine Phase, sondern eine präzise Wahrnehmung. Der Körper reagiert stark auf einzelne Lebensmittel, unabhängig von der Zubereitung. Ob die Karotte roh, gekocht oder püriert ist, ändert an seinem Nein wenig. Vorlieben können sich deshalb lange halten.
Kinder mit dieser Farbe fallen meist dadurch auf, dass sie über längere Zeit bei wenigen Lebensmitteln bleiben. Versteckte Zutaten entdecken sie zuverlässig. Sie lehnen ein Gericht ab, obwohl nur ein kleiner Teil davon nicht passt. Wenn euer Kind insgesamt sehr wenige Lebensmittel isst, hilft der Beitrag ob wenige Lebensmittel normal sind.
Leicht verwechselt wird die Farbe mit der Ernährungsfarbe Appetit. Das Kind mit der Farbe Appetit lehnt aber eine unübersichtliche Situation ab und isst dasselbe Essen getrennt angerichtet gern. Beim Kind mit der Farbe Geschmack ändert das Anrichten nichts. Typische Anzeichen sind:
Die Ernährungsfarbe steht im Human-Design-Chart am oberen linken Pfeil, der Ernährungsvariable. Sie beschreibt die angeborene Funktionsweise des Körpers bei der Nahrungsaufnahme. Neben der Farbe zeigt der Pfeil eine Richtung, und erst beides zusammen ergibt einen der zwölf Ernährungstypen. Wie das zusammenhängt, erklärt der Beitrag welcher Ernährungstyp euer Kind ist.
Ein Kind mit linkem Pfeil sucht sich gezielt selbst aus, was es will, und lässt sich nicht umstimmen. Ihm hilft Regie über die Auswahl, etwa beim Einkaufen oder beim Zusammenstellen des eigenen Tellers.
Ein Kind mit rechtem Pfeil steht dagegen ratlos vor zu vielen Optionen. Ein großes Buffet oder die Frage „Was möchtest du essen?“ überfordert es. Es entspannt sich bei zwei oder drei ruhigen Möglichkeiten, aus denen es dann klar wählt. Welche Richtung euer Kind hat, seht ihr im Chart, das ihr mit dem kostenlosen Chartrechner berechnen könnt. Dafür braucht ihr eine möglichst genaue Geburtszeit.
Die größte Herausforderung bei dieser Farbe ist der gesellschaftliche Glaube, Kinder müssten Vielfalt essen. Eltern hören ihn von Großeltern, im Kindergarten und in vielen Ratgebern. Das erzeugt Sorge, und aus Sorge entsteht Druck.
Druck von außen erzeugt aber genau die Verhärtung, die er lösen soll. Ein Kind, dessen Körper klar Nein sagt, erlebt jedes Überreden als Übergehen dieses Signals. Es zieht sich zurück, und manchmal verschwinden sogar Lebensmittel aus der Auswahl, die vorher gegessen wurden. So war es auch bei Malia, als die Großeltern immer wieder nachfragten.
Mit Ruhe kommen später oft von selbst neue Lebensmittel dazu. Das braucht Zeit und Vertrauen. Wichtig ist dabei: Die Lebensmittel, die in diesem Artikel genannt werden, sind immer nur Illustration der Bedingung, nie eine Diätvorschrift. Es geht nicht darum, was euer Kind essen soll, sondern darum, wie ihr mit seinem klaren Ja und Nein umgeht.
Der wichtigste Schritt ist, das Nein eures Kindes als Information zu nehmen, nicht als Kampfansage. Das ist leichter gesagt als getan, wenn Verwandte kommentieren. Überlegt deshalb gemeinsam, wie ihr bei Familienbesuchen reagiert, etwa mit einem freundlichen Satz, der das Thema beendet.
Ab dem Grundschulalter könnt ihr euer Kind stärker einbeziehen. Wie viel Entscheidung Kinder in welchem Alter tragen können, beschreibt der Beitrag über Entscheidungen von Kindern. Im Alltag helfen diese Schritte:
Mit dem Chartrechner seht ihr Energietyp, Profil, Zentren und Variablen eures Kindes auf einen Blick. Ihr braucht nur Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort.
Chart berechnenBei vielen Kindern mit der Farbe Geschmack ja, allerdings in ihrem eigenen Tempo. Neue Lebensmittel kommen am ehesten dann dazu, wenn niemand darauf wartet. Die Farbe selbst bleibt, und damit auch das klare Ja oder Nein des Körpers. Was sich verändert, ist oft die Zahl der Lebensmittel, zu denen dieses Ja passt.
Bei Kindern mit der Farbe Geschmack meist nicht. Ihr Körper reagiert auf einzelne Lebensmittel, unabhängig von der Zubereitung, und entdeckt versteckte Zutaten oft zuverlässig. Wird das Verstecken bemerkt, verliert das Kind zudem Vertrauen in das Essen, das es bisher sicher mochte. Offenheit ist hier hilfreicher als ein Trick.
Nicht ganz. Kinder mit der Farbe Geschmack bleiben oft lange bei denselben Lebensmitteln, aber es gibt auch andere Gründe für einseitiges Essen, etwa das Bedürfnis nach Sicherheit an vollen Tagen. Wie ihr die Gründe unterscheidet, beschreibt der Beitrag warum Kinder immer nur dasselbe essen.
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